Wie war das eigentlich mit der DDR? Eine Zeitzeugin berichtet


30 Jahre Mauerfall im November 2019

Zu Gast bei uns: Die Zeitzeugin Frau Helga Kuhnert

Zwei zehnte Klassen lauschten am Dienstag, dem 12.11.2019, Frau Helga Kuhnerts Vortrag. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts gewährte uns, die in Naumburg geborene Zeugin, Einblicke in das Leben eines DDR-Bürgers/Bürgerin. Lebhaft schilderte sie uns die Zeit als Schülerin und berichtete über das damalige Leben mit seinen Vor- und Nachteilen in dem sozialistischen System.

Besuche ihrer Verwandten im Westen waren vor dem Mauerbau noch erlaubt, doch bereits 1961 durfte ihr älterer Bruder nicht mitreisen, um die Fluchtgefahr der Familie zu mindern. Als Frau Kuhnert, damals 10 Jahre alt, im August 1961 mit ihren Eltern in den Sommerferien zu Besuch bei Verwandten in der BRD war, sahen sie im Fernsehen, wie das SED-Regime eine Mauer in Berlin errichtete. Geschockt über das Gesehene stand die Familie vor der Entscheidung: Bleiben wir im Westen oder gehen wir zurück?  Frau Kuhnerts Familie entschied sich für eine Rückkehr in die DDR, da die Familie den in der DDR verbliebenen Sohn, Frau Kuhnerts Bruder, nicht alleine zurücklassen wollte. Danach war jedoch eine Ausreise aus der DDR nicht mehr möglich.

Als Lehrerin zeigte sie öffentlich ihre westliche Einstellung und verweigerte den Eintritt in die SED, was berufliche und private Repressalien nach sich zog. Auch ihr Ehemann lehnte die SED-Zugehörigkeit ab, worauf seine Förderung als Olympia-Kandidat eingestellt wurde. So  planten beide im August 1978 die Flucht über die ungarisch-österreichische Grenze. Das Vorhaben scheiterte.

Wegen „Republikflucht“ wurden sie verhaftet und zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Im Rahmen des Häftlingsfreikaufs  gelangte das Ehepaar schließlich im September 1979 in die Bundesrepublik Deutschland. Sie zogen nach Wörth am Rhein, wo sie 10 Jahre später den Mauerfall von der BRD aus erlebten.

Vielen Dank Frau Kuhnert für die beeindruckende Darstellung Ihres aufregenden Lebens.